Ohne geht es nicht. Soziale Medien als Kommunikationsmittel. Foto: Mara Zühlke
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Jugend und Medien Exzessive Nutzung sozialer Medien ist keine Sucht

Mara Zühlke

Soziale Medien gehören zum Alltag von Jugendlichen. Manche nutzen sie exzessiv. Doch von Sucht kann man nicht sprechen, erklärt Klaus Hinze vom Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V.

Laut einer Umfrage an meiner Schule mit 100 Schülerinnen und Schülern sind alle Befragten täglich mehr als eine Stunde auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Dazu gehören vor allem WhatsApp, Instagram und YouTube. Dort tauschen sie sich mit ihren Freunden über die neuesten Trends in der Mode, die aktuellsten Neuigkeiten in der Klasse oder Musik und Sport aus. Aber sie suchen sich auch Inspiration zu Themen wie Lifestyle, Essen oder Aussehen. Nachrichten wie „Hast du gesehen, was die heute anhatte?“ sind nicht selten.

Diskriminierung und Neid können entstehen. Hat dies tatsächlich einen Einfluss auf uns und ist dieser wirklich negativ, wie der Journalist Sascha Karberg kürzlich im Tagesspiegel schrieb? Um mich diesen Fragen zu widmen, führte ich ein Interview mit Klaus Hinze, dem Geschäftsführer der Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V. Der Verein widmet sich seit 1994 dem Jugendschutz. Rauchen, Alkohol und Drogen waren damals die wichtigsten Probleme. Heute werden vor allem die Gefahren des Internets und der Umgang der Jugendlichen damit breit diskutiert.

Nachteile werden immer hervorgehoben

Viele Eltern beschweren sich darüber, ihr Kind sei zu oft oder zu lange online. Manche sprechen sogar von einer Sucht. Trotz dieser Kritik sagt Hinze, sei der Einfluss auf Jugendliche nicht zwingend negativ. Schon mit der Erfindung des Buchdrucks gab es viele Kritiker. Jedes neue Medium bringe gewisse Nachteile mit sich und sobald es etwas Neues gibt, werden immer zunächst diese hervorgehoben. Dennoch gehören soziale Medien heute zum Alltag, selbst zu dem vieler Kritiker, wie zum Beispiel der Eltern selbst. Man muss die Nachteile im Verhältnis zu den Vorteilen sehen. Über soziale Medien kann man einfach und schnell Textnachrichten, Fotos oder Videos senden und erhält schnell die Meinungen anderer Nutzer. Vielleicht sind diese Vorteile der Grund für Jugendliche, so oft mit dem Kopf nach unten durch die Gegend zu laufen. Sie gucken kaum noch woanders hin und nehmen ihre Umgebung schon gar nicht mehr wahr.

Verbote bringen nichts

Aber kann man denn wirklich schon von einer Sucht reden? Laut Duden ist Sucht eine „krankhafte Abhängigkeit von einem bestimmten Genuss- oder Rauschmittel“. Kontakt auf sozialen Medien ist immer noch Kommunikation und diese gehört zu unseren Grundbedürfnissen. Aus diesem Grund könne man vor allem bei Jugendlichen nicht von einer Sucht reden, meint Klaus Hinze. Dennoch kann eine exzessive Mediennutzung von der wirklichen Welt ablenken und auf Schule und Beruf keinen besonders guten Einfluss haben. „Trotzdem ist es hilfreich und notwendig, die Jugendlichen schon früh zu informieren“, rät Hinze. Den Jugendlichen etwas zu verbieten bringe nicht wirklich viel, „Informieren durch Lehrer und Pädagogen hilft.“ Man sollte soziale Medien nicht auf die leichte Schulter nehmen und Regeln für ein Miteinander auf den Netzwerken festlegen. Natürlich bringen Social-Media-Plattformen viele Risiken mit sich, aber im Großen und Ganzen ist es die Kommunikation unserer Zeit. Sie bieten uns eine neue Art der Kommunikation, die bestimmte Zielgruppen anspricht.

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