Schön ist das nicht: Durch den Braunkohle-Tagebau ist die Spree verockert. Foto: dpa
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Verockerung durch Braunkohle-Tagebau Braune Spree: Sachsen muss mehr tun

Die braune Spree beschäftigt sowohl Brandenburg als auch Sachsen weiter: Doch das Nachbar-Bundesland hat ein Strategiepapier von 2009 noch nicht unterschrieben.

Dresden - Sachverständige haben am Freitag bei einer Anhörung im sächsischen Landtag die Notwendigkeit einer landerübergreifenden Kooperation im Kampf gegen die sogenannte Braune Spree betont. Der Präsident des Landesamtes für Bergbau und Ökologie in Brandenburg, Klaus Freytag, appellierte an Sachsen, einem bereits bestehenden Strategie-Verbund der Länder Berlin und Brandenburg sowie der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) beizutreten. Hintergrund sind mutmaßliche Bergbau-Folgeschäden. Hoher Eisengehalt führt zu einer anhaltende Verunreinigung der Spree beziehungsweise deren brauner Farbe.

Der Freistaat habe das Strategiepapier von 2009 bisher nicht unterschrieben, hieß es. Sachsen habe „in den vergangenen Jahren geschlafen“, was den Umgang mit der Bergbaufolgelandschaft betrifft, kritisierte der Sprecher des Aktionsbündnisses Klare Spree, Winfried Böhmer. Nur ein Staatsvertrag könne notwendige Maßnahmen „politisch gewichten“. Darin müsse vor allem auch eine Finanzierung über Jahrzehnte geregelt werden. Denn nicht nur die Hinterlassenschaften des DDR-Bergbaus sind Böhmer zufolge zu berücksichtigen. Auch aus dem aktiven Bergbau seien Schadstoff-Belastungen zu erwarten.

Bei der Anhörung in Dresden wies Böhmer auch darauf hin, dass es mit dem Eisengehalt in einigen Jahren „ökologisch tote Gewässer“ geben werde. Der Gewässergrund werde „immer dichter abgedeckt“, Fische würden ihren Lebensraum verlieren, die Futtersuche werde erschwert.

Es gebe bereits eine länderübergreifende Arbeitsebene der Experten gegen die sogenannte Verockerung der Flüsse in der Bergbaufolgelandschaft, von der vor allem die Spree betroffen ist, betonten mehrere Sachverständiger. Doch trotz „intensiver Zusammenarbeit auf der Ebene der Verwaltung“ fehlt Freytag zufolge die „politische Klammer“.

Grundlage des Austauschs am Freitag im sächsischen Landtag war ein Antrag der Linken zum „Abschluss einer Zielvereinbarung zum Schutz vor bergbaubedingten Stoffeinträgen in Grund- und Oberflächengewässer“. Darin wird die sächsische Landesregierung aufgefordert, mit dem Land Brandenburg eine Vereinbarung im Rahmen eines Verwaltungsabkommens zu konkreten Umweltzielen zu unterzeichnen, insbesondere aber zur Verringerung des Eisen- und Sulfatgehaltes in Gewässern und im Grundwasser.

In Sachsen sei die Braunkohlesanierung organisatorisch gut aufgestellt und in der Lage, der Verockerung zu begegnen, sagte Bernhard Cramer vom Sächsischen Oberbergbauamt. Der Freistaat werde sich der Eigenverantwortung auch stellen. Klaus Freytag bestätigte, dass erstes Fischsterben in der Spree schon 2008 festgestellt wurde. Notwendige Gegen-Maßnahmen seien also seit Jahren angezeigt. Brandenburg habe 2013 einen 10-Punkte-Plan gegen die Braune Spree umgesetzt.

Die Grünen in Sachsen und Brandenburg kritisieren seit langem die Verunreinigung der Spree durch den Braunkohletagebau. Nach ihrer Ansicht ist völlig unklar, wie der Sulfatbelastung effektiv begegnet werden kann. (epd)

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