Die Förderbrücke F34 im Tagebau Cottbus-Nord in Heinersbrück stellt in den kommenden Wochen ihren Betrieb ein. Foto: Bernd Settnik/dpa
© Bernd Settnik/dpa

Tagebau in Cottbus-Nord Nach der Kohle kommt der Badesee

Anna Ringle

Noch türmen sich hier Sandberge, Kohlezüge fahren zum Kraftwerk. Irgendwann sollen sich an gleicher Stelle Angler entspannen und Sportboote fahren. Der Tagebau Cottbus-Nord wird der größte künstliche See in Brandenburg.

Heinersbrück - Dietmar Piesker steht in einer riesigen Grube. Um den 54-Jährigen herum: Sandberge und der riesige Stahlkoloss, den er seit vielen Jahren steuerte – die rund 320 Meter lange Förderbrücke F34. Sie wird Mitte August abgestellt, weil der Betrieb des Tagebaus Cottbus-Nord noch in diesem Jahr ausläuft.

Vattenfall hatte das lange vorbereitet. Für ihn werde es ein emotionaler Moment, wenn er die Brücke das letzte Mal bedient, sagt Piesker. Wo er jetzt steht, sollen sich in rund zehn Jahren einmal Badende und Angler tummeln. Aus der Grube soll einmal der größte künstliche See Brandenburgs mit 1900 Hektar Fläche werden.

Förderbrücke in Cottbus-Nord seit 50 Jahren in Betrieb

Hoch über Pieskers Kopf läuft ununterbrochen das Band der Förderbrücke, mit viel Sand und Abraum. Auf der gegenüberliegenden Seite spuckt der Stahlkoloss den Sand wieder aus und türmt ihn zu neuen Bergen auf. Unter dem Förderband liegt das, worum sich hier alles dreht: Braunkohle. Bagger fördern den Energieträger, ein Zug mit Waggons voller Braunkohle fährt ab. Der Abraum muss zunächst abgetragen werden, damit Bagger an die Kohle kommen. Die F34 in Cottbus-Nord ist mehr als 50 Jahre alt und war in mehreren Tagebauen aktiv. Sie ist laut Vattenfall die letzte ihrer Serie.

Der letzte Zug mit Braunkohle wird laut Vattenfall voraussichtlich am 23. Dezember die Grube verlassen. Das Kraftwerk Jänschwalde erhält dann die Kohle aus anderen Tagebauen. Geräteführer Piesker wird künftig in einer anderen Grube des schwedischen Energiekonzerns arbeiten: im Tagebau Jänschwalde an der Grenze zu Polen. Die dortige Förderbrücke F60 ist ähnlich gebaut wie die F34, sie kann aber tiefere Schichten in der Erde freilegen.

Fünf Gruben in Brandenburg von Vattenfall

Vattenfall betreibt derzeit insgesamt fünf Gruben in Brandenburg und Sachsen und vier Braunkohle-Kraftwerke im zweitgrößten Braunkohlerevier Deutschlands. Rund 8000 Menschen sind in der Branche tätig. Der Konzern will seine Braunkohle-Sparte aber loswerden – bislang steht noch kein Käufer fest. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, noch in diesem Jahr einen zu finden.

In etwa zehn Jahren soll so gut wie nichts mehr an den Tagebau Cottbus-Nord erinnern, der 1981 in Betrieb gegangen war. Ab dem Winter 2018/19 wird die Grube geflutet. Dazu soll auch Spreewasser zugeleitet werden, das sich mit dem zurückkehrenden Grundwasser mischt. Wenn ein Tagebau aktiv ist, wird das Grundwasser abgepumpt.

Neuer See wird bis zu 40 Meter tief

Für den See sind viele Nutzungsmöglichkeiten geplant: Baden, Fischen, Wassersport. Zudem sollen mehrere Häfen und Strände entstehen. Zwei Inseln im See sollen Platz für Vogelarten und Naturschutz bieten. Die tiefste Stelle im See wird laut Vattenfall rund 40 Meter tief sein.

Die Spree ist vielerorts durch Eisenocker belastet. Es gelangt aus stillgelegten Tagebauen mit dem wiederkehrenden Grundwasser in den Fluss und färbt das Wasser braun. Aber auch der aktive Tagebau trägt zu dem Eisenocker-Problem bei. Droht dem Ostsee das auch, wenn Spreewasser zugeleitet wird? Vattenfall geht davon aus, dass sich die Eisenocker-Belastung in dem See in Grenzen halten wird. In der Grube seien viele Kalkbestände. Kalk bindet das Eisenocker und sorgt dafür, dass es schneller zu Boden sinkt.

Die F34 wird gesprengt

Das Ende der F34 wird nicht leise vonstatten gehen. Sie soll im nächsten Jahr gesprengt werden. Geräteführer Piesker und seine Kollegen machen derzeit noch fleißig Bilder von dem Stahlkoloss.

Nicht alle Förderbrücken wurden in der Vergangenheit gesprengt. Eine F60 ist heute ein Industriedenkmal und steht in Lichterfeld (Elbe-Elster). Es gibt dort Konzerte, sogar Paare geben sich vor der Industriekulisse das Jawort. Für Piesker ist klar: Wenn die F34 gesprengt wird, werde er sich ein Stück von dem Stahlkoloss als Andenken mit nach Hause nehmen. (dpa)

Zur Startseite