In Oranienburg wurden am 13. Juni zwei 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Selbstentzündung nicht ausgeschlossen Noch tonnenweise Blindgänger in Brandenburg

Oliver von Riegen

Brandenburg ist das Bundesland, das die meisten Gebiete hat, die mit Weltkriegsmunition belastet sind. Das betrifft über 10 Prozent der Fläche. Und die Hitze wird zum großen Problem.

Potsdam - In Brandenburg lagern noch immer zahlreiche Tonnen Bomben, Minen, Granaten und Kleinmunition aus dem Zweiten Weltkrieg - und viele sind bereits entfernt. In diesem Jahr seien bis Juni rund 165 Tonnen Kampfmittel und Teile davon geborgen worden, teilte der Kampfmittelbeseitigungsdienst mit. Im gesamten vergangenen Jahr wurden demnach rund 326 Tonnen geborgen, im Jahr 2017 seien es etwa 280 Tonnen gewesen.

Brandenburg ist nach Angaben der Polizei das Land mit dem höchsten Anteil kampfmittelbelasteter Gebiete in Deutschland. Rund 392.000 Hektar von 2,9 Millionen Hektar Gesamtfläche gelten als noch belastet - das sind mehr als 13 Prozent. Die Schwerpunkte sind in den Kreisen Märkisch Oderland, Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Oder-Spree. Als besonders belastet wegen starker Bombardierung im Zweiten Weltkrieg gelten aber auch die Städte Oranienburg, Brandenburg an der Havel, Cottbus, Potsdam, Neuruppin und Schwarzheide sowie Ruhland.

Gefährliche Löscharbeiten

Die Kampfmittel bergen nicht nur Gefahren, sie können zum Beispiel das Löschen von Waldbränden drastisch erschweren wie jüngst bei dem Brand in der Lieberoser Heide oder dem bei Jüterbog.

Große Hitze kann dazu führen, dass sich Kampfmittel von selbst entzünden. "Bei den momentan vorherrschenden Witterungsbedingungen können sich Temperaturen von bis zu 50 Grad und mehr auf dem Erdreich entwickeln", erklärte eine Sprecherin des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Bei offen liegendem Phosphor, der in manchen Kampfmitteln vorhanden sei und in oder auf der Erde liege, sei bei Temperaturen von mehr als 50 Grad eine Selbstentzündung nicht ausgeschlossen.

"Diese Munitionsteile können eine von vielen anderen zu betrachtenden Brandursachen sein", sagte die Sprecherin. Offenliegende Sprengstoffe neigten aber eher nicht dazu, sich selbst zu entzünden oder selbst zu detonieren als Folge witterungsbedingt steigender Temperaturen.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat nach eigenen Angaben 65 Mitarbeiter. Kein Bundesland gibt nach Angaben von Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) so viel Geld für die Räumung von Kampfmitteln aus wie Brandenburg. (dpa)

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