Ein Riesengeschäft war die Verstromung der Braunkohle über Jahrzehnte. Doch der Fall der Börsenstrompreise setzt auch der Kohlewirtschaft zu. Foto: dpa
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Neuer Investor imLausitzer Revier Vattenfall verkauft die Braunkohle an Tschechen

Alfons Freese Alexander Fröhlich

Die Lausitz-Sparte soll an den Energiekonzern EPH gehen. Brandenburgs Landesregierung ist erleichtert. Die Grünen fordern Sicherheiten für Tagebau-Sanierung.

Potsdam - Der schwedische Staatskonzern Vattenfall will seine Braunkohleaktivitäten in der Lausitz an den tschechischen Energiekonzern EPH verkaufen. Das berichtete am Freitag die Nachrichtenagentur Reuters. Nach Informationen der  PNN wird es am 18. April eine Aufsichtsratssitzung von Vattenfall in Berlin geben, die den Verkauf der Kraftwerke und Tagebaue dann billigen soll. Vattenfall beschäftigt in der Kohlesparte rund 8000 Mitarbeiter.

EPH ist als Eigentümer der Mibrag, die im mitteldeutschen Revier Braunkohle abbaut und in den Kraftwerken Schkopau und Lippendorf zur Stromgewinnung verfeuert, bereits auf dem deutschen Markt präsent. Die Braunkohle ist der wichtigste heimische Energieträger, aber wegen der hohen CO2-Belastung sehr umstritten.

Die Landesregierung ist froh über das Ende der Hängepartie

 

Brandenburgs Landesregierung reagierte erleichtert auf die Entscheidung für einen Verkauf an die EPH – vor allem weil damit die monatelange Hängepartie für die Beschäftigten und die Lausitz beendet sein dürfte. Zudem habe die EPH einen professionellen Eindruck hinterlassen, für das Unternehmen spreche auch das bisherige Engagement in Ostdeutschland, hieß es. Allerdings wollte sich die Landesregierung nicht offiziell dazu äußern. Vorerst soll Vattenfalls Aufsichtsratssitzung abgewartet werden.

Noch unklar ist, welchen Preis Vattenfall für seine Kohlesparte erzielen kann. Mehrfach waren die Verkaufsverhandlungen durch Spekulationen über einen möglichen Negativ-Kaufpreis belastet worden. Vattenfall stand unter Druck – wegen des sinkenden Strompreises und weil das Geschäft nicht mehr profitabel ist. Wegen Vattenfalls Verlusten mussten Lausitz-Kommunen bereits Millionenbeträge an – von Vattenfall vorausgezahlten – Steuern zurückreichen. Das Unternehmen hatte 2015 Abschreibungen von 1,6 Milliarden Euro für die Braunkohle-Sparte vornehmen müssen. Hinzu kam das Klimaschutz-Paket der Bundesregierung: In den kommenden Jahren werden zwei Kraftwerksblöcke in Jänschwalde heruntergefahren, aber als Reserve in der Rückhand gehalten. Spekuliert wird nun, dass Vattenfall am Ende nur noch einen niedrigen positiven Kaufpreis erhalten könnte. Alle Bieter hatten finanzielle Zugeständnisse gefordert. Zu Beginn der Überlegungen über einen Verkauf vor mehr als zwei Jahren war noch von einer Preisspanne von bis zu vier Milliarden Euro die Rede.

Grüne: Keine neue Tagebauerlaubnis ohne Rückstellung für Sanierung

Gegner der Braunkohle-Verstromung äußerten ihre Skepsis zu dem Deal. „EPH muss klar sein, dass in der Lausitz alleine ein Auftrag zur Abwicklung einer überholten Energieerzeugung verkauft werden soll“, sagte der Energieexperte der Umweltorganisation Greenpeace, Karsten Smid. Jeder Käufer erwerbe mit der Braunkohle unkalkulierbare Folgekosten.

Die Klimaexpertin der Grünen-Bundestagfraktion, die Potsdamerin Annalena Baerbock, forderte, die Rückstellungen für die Sanierung der Braunkohleregion auf den neuen Betreiber zu übertragen. Bund und Länder müssten „sicherstellen, dass EPH diese Rücklagen aufbringen kann und wird und dürfen vorab keine neue Betriebsgenehmigung ausstellen“. EPH sei zum Thema Braunkohlesanierung bisher äußerst vage geblieben. „Allen Beteiligten muss klar sein, dass es hier nicht um schnelles Geld, sondern um die Übernahme von Verantwortung gehen muss.“

 

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