Der BER ist und bleibt (vorerst) eine Baustelle. Foto: Patrick Pleul/ dpa
© Patrick Pleul/ dpa

Interner Statusbericht Gravierende Mängel gefährden BER-Terminplan

Ein interner Bericht offenbart bisher unbekanntes Mängelausmaß am geplanten Hauptstadtflughafen BER – hoher personeller Aufwand und eine Vielzahl von Rückbauten sind nötig.

Schönefeld - Am unvollendeten Hauptstadtflughafen geraten erneut die Terminpläne für einen BER–Start ins Rutschen. Jetzt sind sogar Rückbaumaßnahmen im BER-Terminal notwendig, um die nach wie vor gravierenden Mängel an Sicherheitskabeln des Brandschutzsystems beseitigen zu können. Das geht aus einem internen „Statusbericht“ des TÜV Rheinland vom 8. März 2019 zum Zustand der Anlagentechnik im Fluggastterminal hervor, der den PNN vorliegt. Danach sind die Probleme umfassender als bekannt. Und das über Brandmeldeanlage und Sicherheitskabel hinaus, die offiziell als „kritische Pfade“ genannt werden. Die noch für Oktober 2020 angekündigte BER-Eröffnung dürfte damit nicht zu halten sein.

Rückbauten sind nötig

Laut dem 61-Seiten-Bericht des TÜV gab es im März allein bei den Kabeln für die Sicherheitsbeleuchtung und die Sicherheitsstromversorgung, die nach der geplatzten BER-Eröffnung 2012 ausgetauscht und erneuert wurden, noch 11.519 Mängel. Das sind fast viermal so viele wie von den Verantwortlichen kommuniziert. „Das Abstellen dieser Mängel ist nach unserer Einschätzung mit einem möglicherweise hohen personellen Aufwand, aber auch einer Vielzahl von Rückbauten verbunden“, heißt es wörtlich. Der TÜV warnt, „dass bauseitig sicherzustellen ist, dass die Mängel bei weiteren Prüfungen nicht länger vorhanden sind.“ Wie berichtet sind das etwa überlegte oder vermischte Kabel-Trassen, unzulässige Befestigungen oder der nicht gewährleistete „Funktionserhalt“ solcher Kabel im Brandfall. Die FBB, so der TÜV, habe ein „Planungs- und Bausoll sicherzustellen“. Aktuell gibt es bereits keine Puffer mehr, gilt ein interner Krisen-Terminplan, um 2020 zu halten. Damit dafür noch rechtzeitig die für drei Monate angesetzten Prüfungen aller Systeme im Terminal beginnen können, müssten demnach spätestens bis 31. Juli 2019 alle Mängel behoben sein.

Zieltermin "stark gefährdet"

„Insbesondere ist der Zieltermin aufgrund des unfertigen Anlagenzustandes stark gefährdet“, so der Bericht. Darauf habe man in den letzten Aufsichtsratssitzungen hingewiesen. Der TÜV warnte zugleich, dass von der Flughafengesellschaft eingeleitete Maßnahmen bei Brandmeldeanlage und Sicherheitsstromversorgung „noch nicht“ greifen. Wie die PNN berichteten, kam inzwischen hinzu, dass die Firma Bosch die Brandmeldeanlage nicht termingerecht zum 29. März 2019 fertiggestellt hat. Brandenburgs Staatskanzleichef Martin Gorholt, zugleich BER-Koordinator von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), hat diese Verzögerung inzwischen bestätigt.

Die Flughafengesellschaft erklärte, dass FBB, Aufsichtsrat und Gesellschafter weiter von einem BER–Start im Oktober 2020 ausgehen. Die Rückbauten seien keinesfalls mit Abrissarbeiten zu vergleichen, hieß es. Der Aufsichtsrat sei am 8.März über Prüfergebnisse des TÜV informiert worden, der Statusbericht mit diesem Datum aber erst später eingegangen. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup will im Oktober 2019 die Baufertigstellungsanzeige bei der Baubehörde Dahme Spreewald einreichen. Dafür ist ein TÜV-Zertifikat nötig, dass alle Anlagen betriebssicher funktionieren und ordnungsgemäß errichtet wurden. Davon ist der BER noch weit entfernt. Selbst bei Entrauchung, Brandschutzklappen und Sprinkleranlage, für es schon Entwarnung gab, gibt es laut TÜV-Bericht immer noch „wesentliche Mängel“. Zur Sprinkleranlage ist etwa von unvollständigen und mangelhaften Kabelschottungen die Rede. Und auch davon, dass der TÜV bereits zur Prüfung angefordert wurde, obwohl „dort noch Installationsarbeiten durchgeführt werden“. Nach wie vor ungeklärt ist nach PNN-Informationen auch das Problem der im Terminal unzulässig benutzten Plastikdübel bei der Befestigung von Kabeln, die im Brandfall weiter funktionieren müssen. Es verdichten sich Hinweise, dass die von der FBB erhoffte Einzelfallzulassung nicht erteilt werden kann. Im „worst case“ könnten die Plastikdübel zu einem K.-o.-Problem werden.

Zur Startseite