Die Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen, die Jesidin Nadia Murad, sprach 2017 im Brandenburger Landtag. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
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Hilfsaktion für IS-Opfer Erste Jesidinnen kommen nach Brandenburg

Gudrun Janicke

Ein kleines Kontingent von Jesidinnen, aus dem Nordirak vertrieben wurden, kommt voraussichtlich in wenigen Wochen nach Brandenburg. Die Frauen haben unerträgliches Leid erlebt. Jetzt sollen sie hier zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen.

Potsdam - In Brandenburg werden ab Mitte April etwa 60 Jesidinnen und Jesiden mit ihren Kindern aus dem Nordirak im Rahmen einer Hilfsaktion erwartet. „Die Vorbereitungen zur Ankunft und Auswahl laufen“, sagte Staatssekretär Martin Gorholt der Deutschen Presse-Agentur.

Der Brandenburger Landtag hatte 2016 entschieden, Mitgliedern der religiösen Minderheit zu helfen. Sie waren im Nordirak in Gefangenschaft der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geraten, wurden verschleppt, versklavt und vergewaltigt. 2014 waren sie in die kurdischen Regionen geflüchtet und leben seitdem in Flüchtlingslagern in Zelten. Baden-Württemberg hatte 2015 als erstes Bundesland rund 1000 Jesiden aufgenommen.

Die Hilfe werde in der Brandenburger Staatskanzlei koordiniert und mit den Landesministerien für Inneres, Soziales und Bildung umgesetzt, sagte Gorholt. Eng zusammengearbeitet werde auch mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundesinnenministerium, vor allem in der Frage der Erteilung der Visa. Mit der UN-Flüchtlingshilfe UNHCR und der Internationalen Organisation für Migration IOM werde ebenfalls kooperiert. Ansprechpartner sind nach den Angaben auch die deutsche Botschaft in Bagdad und das  Generalkonsulat in Erbil, Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Irak.

„Das UNHCR schlägt Menschen vor, die in den Flüchtlingscamps leben, und bei denen es sinnvoll scheint, sie nach Deutschland zu bringen“, sagte Gorholt. Die Aufnahme sei zunächst für drei Jahre angedacht. Es gehe vor allem um Frauen, die viel erlitten haben, und ihre Kinder, die möglicherweise aus Vergewaltigungen stammen.

Mitte April soll klar sein, wer kommt

Schutzbedürftigkeit sei ein wichtiges Kriterium für die Auswahl. „Wie lange waren sie in Gefangenschaft, wurden sie gefoltert und misshandelt oder Opfer kriegerischer oder sexueller Gewalt“, sagte Gorholt. In Deutschland gebe es bessere und intensivere Behandlungsmöglichkeiten in der Psychotherapie bei erlittenen Traumata. Möglicherweise komme auch der Mann oder der Bruder der Frau für die Aufnahme in Brandenburg in Betracht, um Familien zu erhalten. „Aber in erster Linie geht es um die Frauen“, sagte Gorholt. 

Die Liste der Frauen, Männer und Kinder liege jetzt vor. „Mit den Betroffenen werden derzeit Interviews geführt, Dossiers werden angelegt, Sicherheitsprüfungen in Gang gesetzt“, sagte der Staatssekretär. Auch ein Mitarbeiter des Brandenburger Innenministeriums sei in Kürze vor Ort. Mitte April werde klar sein, wer komme. 

Wo die Frauen in Brandenburg unterkommen, wird aus Sicherheitsgründen nicht gesagt. Sie werden zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht. Für die Betreuung der Kinder werde gesorgt. Eine Immobilie und ein Träger für die Betreuung stünden bereit. „Wenn die Jesidinnen kommen, steht alles bereit“, sagte er. Das Team sei auf medizinische und psychologische Betreuung vorbereitet. Das Land stellt in diesem Jahr rund 900 000 Euro für das Hilfsprogramm zur Verfügung. dpa

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