Foto: Ralf Hirschberger / dpa
©  Ralf Hirschberger / dpa

Flughafen BER Der neue BER-Aufsichtsratschef Bretschneider

Burkhard Fraune dpa

Potsdam - Er zählt zu den Männern, die Frauen auch mal mit Handkuss begrüßen: Rainer Bretschneider, der designierte Aufsichtsratschef der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft, legt Wert auf Umgangsformen. Erhitzte Diskussionen moderieren und abkühlen, das kann er – wie er bewies, als in der Fluglärmkommission für den neuen Hauptstadtflughafen lange Streit tobte. Anwohnern waren jahrelang die falschen Flugrouten vorgegaukelt worden, was auch Bretschneider nicht verhindert hatte.

Der Staatssekretär gilt in der Brandenburger Landesregierung als der Mann für knifflige Fälle. „Ich verstehe mich auch aufs Florett und kann auch die ganz feinen Stiche“, meint er. Der gebürtige Westfale gibt sich gern jovial und wählt klare Worte, wenn es sein muss. Beim Schallschutz müsse sich der Flughafen „den Arsch aufreißen“, um Frieden mit seinem Umfeld zu erreichen, forderte er. Der Jurist weiß aber auch, wann man sich lieber nichtssagend äußert oder schweigt.

Dass der Aufsichtsrat kein harmloses Kaffeekränzchen ist, weiß der stämmige Beamte mit Vollbart nur zu gut. Viele ausweglose Situationen, Profilierungsversuche und Machtkämpfe hat er dort selbst miterlebt – Bretschneider gehört dem Gremium seit bald vier Jahren an, leitete es zwischenzeitlich schon kommissarisch. Mit 68 Jahren könnte der verheiratete Vater zweier Kinder längst seine Pension genießen. Doch er sagt: „Ich bin gelernter Verwaltungsbeamter. Ich stehe dort meinen Mann, wo ich hingestellt werde.“

Seine Karriere begann im Wirtschaftsministerium in Düsseldorf. Von 1990 an baute er das Verkehrsministerium in Potsdam mit auf, leitete lange die Grundsatzabteilung, wurde 2008 Staatssekretär. Als 2013 der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) Aufsichtsratschef am Flughafen wurde, holte er Bretschneider als Koordinator in die Staatskanzlei. „Mir kann nichts mehr passieren, ich habe alles hinter mir“, sagte Bretschneider. „Aber ich habe einen Ruf zu verlieren.“

Der Beamte hat den Flughafenbau auf brandenburgischem Boden von der ersten Idee in den frühen 1990er-Jahren an begleitet, leitete auch die Behörde, die den Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen-Neubau in dicht besiedeltem Umfeld fasste – um später angesichts der Wut von Anwohnern festzustellen: „Was der Planfeststellungsbeschluss nicht schützt, ist Lebensqualität.“

Als 2015 die Empörung über einen Baustopp am BER kochte, sagte Bretschneider: „Ich akzeptiere, dass der Bürger und unsere Politiker langsam die Schnauze voll haben von den Hiobsbotschaften.“ Dennoch gehe es darum, sich sachgerecht zu äußern und zu Lösungen zu kommen. „Wir wollen, dass der Flughafen fliegt.“ Burkhard Fraune/dpa

Zur Startseite