In Brandenburg wurden mehr als eine Million Erstimpfungen verabreicht. Foto: dpa
© dpa

Corona-Lage in Brandenburg Impfpriorisierung wird am Montag aufgehoben

Klaus Peters Anna Kristina Bückmann Christian Müller

Das Land folgt einer Empfehlung des Bundes. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht den Beschluss kritisch. An den Schulen bleibt die Testpflicht auch nach den Ferien in Kraft.

Potsdam - Die Priorisierung bei den Corona-Impfungen nach Altersgruppen und anderen Kriterien wird in Brandenburg am kommenden Montag komplett aufgehoben. Damit folge Brandenburg der Empfehlung des Bundes, bestätigte der Sprecher des Innenministeriums, Martin Burmeister, am Donnerstag. Dies gelte sowohl für die Arztpraxen, als auch für die Impfzentren. Somit kann sich dann jeder Bürger um einen Impftermin bemühen. Termine in den Impfzentren seien allerdings für Kinder unter 16 Jahren noch nicht buchbar, so das Innenministerium. Niedergelassenen Ärzten stehe es allerdings frei, Kinder und Jugendliche von zwölf bis unter 16 Jahren nach den notwendigen Aufklärungsgesprächen und der Zustimmung der Erziehungsberechtigten zu impfen. Zuerst hatte die „Märkische Allgemeine“ (Donnerstag) berichtet.

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg sieht das aber sehr kritisch. Der Impfstoff sei in Brandenburg nach wie vor knapp, betonte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Christian Wehry. „Die Bestellmengen für die Hausarztpraxen sind immer noch stark quotiert“, berichtete Wehry. „So konnten für die kommende Woche pro Arzt nur maximal 18 Dosen von Biontech/Pfizer bestellt werden.“

Wehry fürchtet daher, dass der ohnehin schon stehende Ansturm auf die Arztpraxen ab Montag noch stärker wird. „Das wird für viele Frust und Ärger bei den Impfwilligen und große Probleme in den Praxen führen.“

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Impfangebot für alle Gefangenen

Alle in den Gefängnissen in Brandenburg Inhaftierten sollen sich noch im Juni gegen das Coronavirus impfen lassen können. Wie das Justizministerium am Donnerstag im Rechtsausschuss des Landtags mitteilte, wurde allen Gefangenen ein Impfangebot gemacht. Von Montag kommender Woche an bis zum 17. Juni soll dann vor Ort geimpft werden. Auch diejenigen Beschäftigten, die bislang noch nicht geimpft worden sind, können sich dann impfen lassen.

Derzeit sei kein Gefangener mit dem Coronavirus infiziert, es gebe auch keine Verdachtsfälle. Unter den Beschäftigten gibt es nach Ministeriumsangaben einen positiven Corona-Fall und zwei Mitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Ab Juni sollten weitere Lockerungen in den Gefängnissen umgesetzt werden, so Justizministerin Susanne Hoffmann (CDU). So sollen Freizeitaktivitäten ausgedehnt werden und externe Freiberufler - mit Test - auch wieder in die Einrichtungen kommen können. Abhängig von der Pandemie-Entwicklung soll es bald weitere Lockerungen geben, beispielsweise sollen Gefangene wieder mehr Besucher gleichzeitig empfangen können.

Mehr als eine Million Erstimpfungen

In Brandenburg haben seit Beginn der Impfkampagne 1.016.596 Menschen eine Erstimpfung erhalten. Das entspricht 40,3 Prozent der Bevölkerung. 498.929 Personen sind vollständig geimpft (19,8 Prozent). 

Insgesamt wurden nach Angaben des Impflogistik-Stabes 1.494.757 Impfungen verabreicht (Stand: 2. Juni). Das sind 37.073 mehr Impfungen als am Vortag gemeldet. Menschen, die den Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten haben, benötigen nur eine Impfung.

81 Neuinfektionen in Brandenburg

Die 7-Tage-Inzidenz für Brandenburg ist auf 19,1 gefallen (Vortag: 20,5). Nach 103 Infektionen am Mittwoch kamen am Donnerstag nach Angaben des Landes 81 hinzu. Die Zahl der aktuell an Covid-19 Erkrankten sank auf rund 1800 (-100). Ein weiterer Todesfall wurde erfasst. Bisher kamen 3736 Menschen aus Brandenburg in Zusammenhang mit dem Coronavirus ums Leben. 108.417 Personen haben sich bisher infiziert, rund 102.900 gelten als genesen. 

Bis auf den Kreis Teltow-Fläming (30,0) weisen alle märkischen Regionen eine Inzidenz von unter 30 auf. Am geringsten ist der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche in Ostprignitz-Ruppin (8,1). Potsdam (16,6) und Potsdam-Mittelmark liegen unter der 20er-Marke.

Aktuell werden in Brandenburg 107 Personen wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt, davon befinden sich 33 in intensivmedizinischer Behandlung, hiervon müssen 28 beatmet werden. 

Testpflicht an Schulen auch nach den Ferien

Wenn das Infektionsgeschehen stabil bleibt, sollen nach den Sommerferien alle Schulen in Brandenburg mit Präsenzunterricht in allen Jahrgangsstufen starten. Das teilte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) mit. Der erste Schultag nach den Ferien ist der 9. August. 

Wie das Bildungsministerium mitteilte, bleibt die Testpflicht an den Schulen in Kraft. Sie entfällt bei vollständig geimpften und genesenen Personen. Aus dem Rettungsschirm des Landes werden ausreichende Testkits für verpflichtende Tests an den Schulen beschafft. Alle Lehrkräfte sowie das gesamte Personal an Schulen haben laut Mitteilung ein Angebot bekommen, sich impfen zu lassen.

An allen Schulen sollen zu Beginn des neuen Schuljahres Lernstandserhebungen durchgeführt werden, um die Wissensdefizite der Schüler infolge der monatelangen Corona-Beschränkungen zu erfassen. Bereits in den am 24. Juni beginnenden Sommerferien soll es wie im vergangenen Jahr Ferienbetreuung mit Lernangeboten für Kinder und Jugendliche geben. (mit dpa)

Zur Startseite