Einfach losfahren und dort anhalten, wo es einem gefällt. Diese Art von Urlaub will Dirk Frehse leichter möglich machen. Foto: Dzung Le/Promo
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Brandenburg Wohnmobil auf Zeit mit Paul Camper

Der gebürtige Brandenburger Dirk Fehse wollte eigentlich nur sein Wohnmobil mit anderen teilen. Aus der Idee ist dann aber das Unternehmen Paul Camper entstanden. Heute beschäftigt es 50 Mitarbeiter.

Sich spontan ins Wohnmobil setzen, losfahren und dort anhalten, wo es einem gefällt - für nicht wenige ist diese Art des Reisens ein Traum, der jedem Hotelurlaub vorzuziehen ist. Auch Dirk Fehse wollte einst mit einem Camper quer durch Europa reisen. Doch das war schwieriger als gedacht: Kaufen war für ihn als Student zu teuer, mieten auch, außerdem haben die meisten Vermietungen nur große Wohnmobile im Angebot. „Das sind quasi fahrende Häuser - so etwas wollte ich nicht“, sagt der 37-jährige Outdoor-Fan. Also baute Fehse einen alten T4-Kleinbus zum Camper um und taufte ihn „Paul“: „Ohne Schnickschnack, aber mit allem, was man braucht: Bett, Kühlschrank, Gaskocher.“

4000 Fahrzeuge bei Paul Camper

Damit das Gefährt seine Kosten wieder einspielt und den Rest des Jahres nicht herumsteht, beschloss Fehse 2010, den Camper mit anderen zu teilen - und stieß auf große Nachfrage: „Schon Anfang Februar war er für das ganze Jahr ausgebucht“, sagt Fehse. Die Idee für Paul Camper, dem Airbnb der Wohnmobilvermietung, war geboren.

Heute beschäftigt das Start-up 50 Mitarbeiter, rund 4000 Fahrzeuge sind auf der Sharing-Plattform vertreten, 350 000 Mietnächte hat Paul Camper seit seiner Gründung im Jahr 2013 vermittelt. „Das macht uns sehr stolz“, sagt Fehse. „Unser Antrieb ist es, Menschen eine unvergessliche Zeit zu ermöglichen, in der sie ihre eigenen Erfahrungen kreieren können - und zwar draußen in der Natur.“

Im Büro wollte Fehse nicht sein Leben nicht verbringen

Irgendwann zog es den Gründer nach draußen. Geboren wurde Fehse im brandenburgischen Örtchen Jagsal, in Cottbus machte er eine Ausbildung zum Bürokaufmann, in Berlin studierte er BWL mit Schwerpunkt Rechnungswesen und Controlling. Nicht das Richtige für ihn, wie er heute findet, denn im Büro wollte Fehse sein Leben eigentlich nicht verbringen.

Die Wende brachte ein Auslandssemester in Australien, wo er mit Freunden drei Monate lang in einem Low-Budget-Camper 17 400 Kilometer über den gesamten Kontinent fuhr. Für Fehse eine unvergessliche Erfahrung, durch die seine Leidenschaft für unabhängiges und einfaches Reisen entfacht wurde.

Urlaub ganz individuell und in der Natur - dafür wirbt die Plattform Paul Camper. Foto: K. Stöhr/Paul Camper Vergrößern
Urlaub ganz individuell und in der Natur - dafür wirbt die Plattform Paul Camper. © K. Stöhr/Paul Camper

Fehse machte sein Diplom und arbeitete als Manager in der Wirtschaftsprüfung - wirklich glücklich machte ihn das nicht. „Irgendwann habe ich den Reset-Button gedrückt“, sagt Fehse.

Er beschloss, die Idee der privaten Camper-Vermittlung in die Tat umzusetzen und Besitzer von Wohnmobilen mit Mietern zusammenzubringen. Entscheidend für die ersten Schritte sei dabei ein Workshop der School of Design Thinking im Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) gewesen, den er Ende 2012 besucht hatte: „Das war sehr wichtig, damit fing der Prozess an.“

„Es hat mich sehr herausgefordert, aber ich bin damit gewachsen.“

Fehse stürzte sich in Arbeit, als Selbstständiger steckte er seine gesamte Zeit in den Aufbau des Start-ups. Den ersten Urlaub machte Fehse, der anderen Menschen Traumurlaube vermittelte, erst wieder 2015. „Anfangs hat es mich fast kaputt gemacht“, sagt Fehse. „Es hat mich sehr herausgefordert, aber ich bin damit gewachsen.“ Vor allem die Versicherung war ein Problem: Hierfür entwickelte Fehse zusammen mit der Allianz eine tagesbasierte Versicherung, die neben Kfz-Haftpflicht auch Vollkaskoschutz und eine europaweite Pannenhilfe umfasst.

Dass in letzter Zeit mehrere EU-Staaten Grenzkontrollen eingeführt haben und Großbritannien aus der EU austreten will, sieht Fehse kritisch: „Diese Entwicklungen sind angstgesteuert, nicht mutgesteuert.“ Sowohl als Unternehmer als auch als europäischer Bürger lehne er diese Tendenzen ab: „Ich möchte, dass jemand aus Norwegen einen Camper in den Niederlanden mieten kann, damit durch Deutschland fährt und zwischen Weinreben in der Toskana übernachtet - das ist meine Vision von einem vereinten Europa.“

Ziel: ganz Europa abdecken

Derzeit ist Paul Camper neben Deutschland auch in Österreich und den Niederlanden aktiv, in den nächsten Jahren möchte Fehse ganz Europa abdecken. Das Wachstum spricht dafür: Im Schnitt kommen pro Monat rund 300 Fahrzeuge auf der Sharing-Plattform hinzu. Gegenüber kommerziellen Vermietern hat Paul Camper den Vorteil, 20 bis 30 Prozent günstiger zu sein.

Stationiert ist das Unternehmen in Berlin: „Es ist einfach der perfekte Nährboden für Start-ups“, sagt Fehse.

Dirk Fehse liebt Brandenburg, doch die Bedingungen für sein Unternehmen "Paul Camper" passten hier nicht. Foto: promo/Paul Camper Vergrößern
Dirk Fehse liebt Brandenburg, doch die Bedingungen für sein Unternehmen "Paul Camper" passten hier nicht. © promo/Paul Camper

Auch in Potsdam, nahe dem Hasso-Plattner-Institut in Griebnitzsee, hatte er sich nach Räumlichkeiten umgesehen, aber: „Entweder war dort schon alles weg oder nicht zu bezahlen.“ Zwischenzeitlich saß Paul Camper auch für eineinhalb Jahre in Bernau, ist dann aber wieder nach Berlin gezogen. Der Grund: „Es war nicht möglich, eine schnellere Internetleitung als 70 MBit zu bekommen“, sagt Fehse. „Ich liebe Brandenburg, aber es gab einfach nicht die richtigen Bedingungen.“

Dieser Text ist zuerst im PNN-Magazin Wirtschaft erschienen - die Publikation für alle Unternehmer, Macher und Entscheider der Region. Die aktuelle Ausgabe finden Sie hier>>

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