Seit dem Jahreswechsel finden Experten in Proben von Patienten aber zunehmend echte Grippeviren, die Zahl bestätigter Fälle steigt. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
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Bereits 516 Influenzafälle Die Grippewelle ist in Brandenburg angekommen

Während international ein neuer Erreger aus China für Aufregung sorgt, ist hierzulande die Grippewelle losgerollt. In Brandenburg sind bereits Hunderte infiziert.

Potsdam - In Brandenburg wurden in der aktuellen Grippesaison bereits 516 Influenzafälle gemeldet, wie das Gesundheitsministerium in Potsdam auf Anfrage mitteilte. In der Vorsaison waren es im Vergleichszeitraum nur 330 Fälle. Eine Grippesaison läuft von der 40. Kalenderwoche bis zur 20. Kalenderwoche des folgenden Jahres. Allein seit Jahresanfang wurden 364 Fälle von Influenza registriert, in den ersten vier Wochen 2019 waren es laut Ministerium nur 297 Fälle.

2020 sei in Brandenburg bislang kein Mensch an den Folgen einer Grippe gestorben, in der Vorsaison 2018/2019 überlebten zwölf Erkrankte in Brandenburg die Infektion nicht.

In der Grippesaison 2018/2019 wurden in Brandenburg insgesamt 5453 Grippe-Erkrankungen mit Labornachweis gemeldet. Gemäß Infektionsschutzgesetz ist nur der direkte Nachweis von Influenzaviren meldepflichtig. Da jedoch nicht in jedem Fall eine Labordiagnostik durchgeführt wird, sei von einer deutlich höheren Zahl an Influenzaerkrankungen auszugehen, so das Ministerium.

Deutschlandweit wurden seit Saisonbeginn im Oktober 2019 13.350 durch Laboranalysen bestätigte Fälle gemeldet, davon 4439 in der vergangenen Woche. Bisher starben daran nachweislich 32 Menschen. Mehr als 3500 Patienten wurden wegen Grippe im Krankenhaus behandelt. Gemeldet wurden zudem zum Beispiel 15 Ausbrüche in Kindergärten.

Wie verhindert man eine Ansteckung?

Grippeviren verbreiten sich unter anderem über direkten Körperkontakt, beim Händeschütteln etwa, sowie über Dinge, die viele Menschen anfassen, den Haltegriff in der Bahn etwa. Wer sich schützen will, sollte auf beides möglichst verzichten, seine Hände vom Gesicht fernhalten - und sich dazu häufig und gründlich die Hände waschen. Das heißt: Mit Seife und mindestens 20 Sekunden lang.

Woran erkenne ich, dass ich die Grippe habe?

Die Symptome der Grippe ähneln denen einer ganz normalen Erkältung, sind allerdings oft schwerer und langwieriger. Größtes Unterscheidungsmerkmal ist der Beginn der Krankheit: Während sich die Erkältung meistens anschleicht, bricht die Grippe fast überfallartig aus.

Muss ich zum Arzt?

Ärztlicher Rat ist bei einer Grippe unbedingt sinnvoll, rät das IQWIG - auch wenn gegen die Krankheit oft kein echtes Kraut gewachsen ist. Berufstätige brauchen den Arzt für die Krankschreibung, denn nach ein oder zwei Tagen ist die Grippe nicht vorbei. Nach einer Woche lassen die Beschwerden in der Regel zwar deutlich nach, Erschöpfung und Husten können aber deutlich länger bleiben.

Wie gefährlich ist die Grippe?

Die Grippe ist eine potenziell schwere Erkrankung, mit häufigen Begleiterkrankungen wie einer Entzündung der Nasennebenhölen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt oft eine Mittelohrentzündung hinzu. Aufpassen müssen Menschen mit einem schwächeren Immunsystem: Ältere zum Beispiel und Menschen mit Lungen- oder Immunerkrankungen. Hier ist das Risiko besonders hoch, dass die Influenza einen schweren oder sehr schweren Verlauf nimmt. Letzterer kann lebensgefährlich sein.

Welche Medikamente helfen?

Antibiotika helfen auf keinen Fall - beziehungsweise nur dann, wenn zu der viral verursachten Grippe noch ein bakterieller Infekt hinzukommt. Es gibt jedoch spezielle Grippemedikamente, in Deutschland vor allem den Wirkstoff Oseltamivir. Diese sind aber verschreibungspflichtig, helfen nur unter bestimmten Umständen und haben teils heftige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen.

Seit Beginn der Grippesaison im Oktober haben sich bereits viele Brandenburger gegen Influenza impfen lassen. "Die Menschen scheinen deutlich sensibilisierter zu sein in diesem Jahr", sagte Karin Harre, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Brandenburg, am Montag. Foto: Ole Spata/dpa Vergrößern
Seit Beginn der Grippesaison im Oktober haben sich bereits viele Brandenburger gegen Influenza impfen lassen. "Die Menschen scheinen deutlich sensibilisierter zu sein in diesem Jahr", sagte Karin Harre, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Brandenburg, am Montag. © Ole Spata/dpa

Lohnt sich eine Impfung?

Ja, unbedingt - auch jetzt noch. Das gilt selbst für Schwangere und besonders für Ältere. Auch Kinder können ab einem Alter von sechs Monaten geimpft werden. Eile ist geboten: Bis der zusätzliche Schutz der Impfung wirkt, vergehen etwa zwei Wochen. Die Grippewelle wird aber voraussichtlich länger dauern. Hundertprozentigen Schutz bietet allerdings auch die Impfung nicht.

Was kann ich sonst gegen Grippe tun?

Zu Hause bleiben, schonen, von anderen Menschen fernhalten und benutzte Taschentücher sofort entsorgen. Sonst geht erst einmal nicht viel. Hausmittel wie Kräutertee und Hühnersuppe sind eventuell gut fürs individuelle Wohlempfinden, ihre Wirkung ist aber nicht wissenschaftlich erwiesen. Rezeptfrei erhältliche Medikamente - wie Ibuprofen oder ASS (Acetylsalicylsäure) etwa - können helfen, die Beschwerden zu lindern und Fieber zu senken.

(mit dpa)

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