Badeverbot am Heiligen See? Schlösserstiftung schlägt Alarm

Der neue Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr sieht die Welterbeparks in ernster Gefahr - wegen rücksichtsloser Potsdamer. Die Schlösserstiftung werde mit härteren Maßnahmen reagieren.


Badende und Erholungsuchende auf den geschützten Wiesen im Neuen Garten, deren Nutzung in der Parkordnung verboten ist. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Badende und Erholungsuchende auf den geschützten Wiesen im Neuen Garten, deren Nutzung in der Parkordnung verboten ist. © Sebastian Gabsch

Potsdam - Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) wird härtere Maßnahmen zum Schutz der Welterbeparks in Potsdam ergreifen. Die Situation sei speziell im Neuen Garten und im Park Babelsberg „außer Kontrolle geraten“, sagte der seit Februar 2019 amtierende Generaldirektor der Stiftung, Christoph Martin Vogtherr, den PNN.

Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). © Sebastian Gabsch

Das per Parkordnung verbotene und von der Schlösserstiftung bislang geduldete Baden im Heiligen See könnte damit der Vergangenheit angehören. Die Stiftung erwäge, die tolerierte Badestelle am Ostufer zu schließen, sagte Vogtherr. Fest stehe, dass sie das Baden und die Nutzung der Wiesen am Westufer zwischen Gotischer Bibliothek und Marmorpalais unterbinden wird. Dazu werde es ab der nächsten Saison mehr Sicherheitspersonal geben. Zehn bis 15 Stellen brauche die Stiftung dafür; derzeit habe sie zwei. Dies koste zwar Geld, doch die Beseitigung der Schäden sei noch teurer. Wahrscheinlich werde die Stiftung das Westufer mit einem Zaun im Wasser abriegeln; dieser macht es unmöglich, dort zu baden. Zwischen Marmorpalais und Grünem Haus ist bereits ein solcher Zaun gezogen.

"Wir können nicht nur an Symptomen herumdoktern"

Konflikte um das Baden im Heiligen See gibt es seit Jahrzehnten. Auch hat die Stiftung schon unter den Generaldirektoren Hans-Joachim Giersberg und Hartmut Dorgerloh schärfere Maßnahmen angekündigt. Die Umsetzung blieb allerdings zögerlich. Doch wenn sich nichts ändere, werde es nicht möglich sein, den Park für die nächsten Generationen zu erhalten, sagte Vogtherr. „Das werden wir offensiv kommunizieren, wir können nicht nur an den Symptomen herumdoktern.“

An die Stadt Potsdam appellierte Vogtherr, alternative Badestellen außerhalb des Welterbes anzubieten. Dabei könnte es um schöne Lagen am Tiefen See, in Krampnitz sowie an der Havel in Potsdam-West gehen. Die Stiftung selbst unterstütze mit der Neuordnung der Flächen am Strandbad Babelsberg. 

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) bestätigte auf PNN-Anfrage, dass das Rathaus konkrete Vorschläge für neue Badestellen prüfe. Schubert signalisierte Unterstützung für den härteren Kurs von Vogtherr: „Der Zustand im Neuen Garten geht so nicht. Maß und Mitte der geduldeten Nutzung sind dort längst nicht mehr gegeben“, sagte Schubert. „Wir müssen uns hinterfragen, wie wir mit den Parks umgehen, von denen wir ja immer sagen, dass es unsere Parks sind“, so der Oberbürgermeister.

Fahrradfahren ist auf diesen Wegen durch den Park nicht erlaubt. Es tun trotzdem die meisten.  Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Fahrradfahren ist auf diesen Wegen durch den Park nicht erlaubt. Es tun trotzdem die meisten.  © Sebastian Gabsch

Der Neue Garten ist neben Sanssouci und Park Babelsberg einer von drei Welterbeparks in der Landeshauptstadt. Das knapp 103 Hektar große Areal ist ab 1787 im Auftrag von Friedrich Wilhelm II. von Johann August Eyserbeck angelegt und später von Peter Joseph Lenné umgestaltet worden.

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